„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Dieser Anfangssatz aus einem der Psalmgedichte von Hanns Dieter Hüsch (1925 – 2005) ist das Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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Amalia von Neuenahr-Alpen Amalia von Neuenahr-Alpen / bpk / Bayerische Staatsgemäldesammlungen

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Amalia von Neuenahr-Alpen

1539 - 1602
Reformierte Fürstin vom Niederrhein

Amalia wurde am Niederrhein auf Schloss Alpen geboren als Gräfin von Neuenahr-Alpen und Limburg. Durch Heirat wurde sie Kurfürstin von der Pfalz. Die römisch-katholisch getaufte Amalia wurde von ihrer Stiefmutter lutherisch erzogen. Mit 18 Jahren heiratete sie Heinrich von Brederode aus altem niederländischem Adel und zog zu ihm in die Freiherrschaft Vianen bei Utrecht. Hier hat sie sich unter dem Einfluss calvinistischer Theologen dem reformierten Glauben genähert. Im niederländischen Aufstand gegen die Unterdrückung der Calvinisten durch die spanischen Habsburger spielte Heinrich von Brederode die führende Rolle. Er wurde als Rebell geächtet und floh mit Amalia nach Deutschland.

Amalia verwitwete mit nur 29 Jahren und heiratete den reformierten Kurfürsten Friedrich III. von der Pfalz. Dessen Ehe mit der Witwe des Führers der niederländischen Rebellen signalisierte die Hinwendung der Kurpfalz zu den Calvinisten in Westeuropa. Wahrscheinlich ist die antihabsburgische Außenpolitik der Kurpfalz auf den Einfluss Amalias zurückzuführen: Amalia suchte in Glaubensdingen zu vermitteln. Ihre Briefe zeugen von unerschütterlichem Gottvertrauen. Für sie war Gott der Lenker der Weltgeschichte. Mit Kurfürst Friedrich III. lebte sie gemeinsam ihren reformierten Glauben, bis sie bereits 1576 wieder Witwe wurde. Amalia war Autodidaktin und nutzte intensiv die Bibliotheken in Vianen und Heidelberg. Sie sprach Hochdeutsch, Niederländisch und Französisch und war sehr an Naturkunde interessiert. Nach der Vertreibung der Spanier aus den nördlichen Niederlanden trat Amalia 1582 die Regierung der Freiherrschaften Vianen und Ameide an und kehrte 1600 nach Alpen zurück. Sie machte die Gegenreformation rückgängig und erlangte ein Neutralitätsabkommen, das Alpen eine Zeit der Konsolidierung brachte.

Die kinderlose Amalia erlangte nach dem Tod Friedrichs III. die Unabhängigkeit einer souveränen Fürstin. Sie erkämpfte immer wieder ihre Rechte gegenüber Männern. Amalias politisches Geschick ging einher mit einem klaren reformierten Profil.

1602 starb Amalia, nachdem sie zuvor noch den Grundstein für den Bau der ersten reformierten Kirche in Deutschland gelegt hatte.

Zitat:
Amalias Maxime für ihr Regierungshandeln lautet: „Das gantze wolfaren der gemeinten [ist] princieplich am haupt gelegen.“

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Joachim Daebel / 08.01.2017



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