„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Dieser Anfangssatz aus einem der Psalmgedichte von Hanns Dieter Hüsch (1925 – 2005) ist das Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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Rückspiegel Reformationsjubiläum: Nico Ballmann

Mehr Gelassenheit, weniger Überpräsenz

Luthersocken, Lutherschlüsselanhänger, Lutherschlüsselanhängerbefestigungsringe - man kanns auch übetreiben. Findet Nico Ballmann, einer aus der Generation Vikariat 2017, den wir um sein Feedback gebeten haben. Aufgewachsen in der Landessynodenstadt Bad Neuenahr, hat er in Mainz, Heidelberg und München studiert und ist derzeit Vikar in der Evangelischen Kirchengemeinde Rheydt.

Nico Ballmann Nico Ballmann

Was hat Sie beim Reformationsjubiläum überrascht?

Grundsätzlich fand ich es erstaunlich, dass durch das Reformationsjubiläum die Kirche in einer ganz anderen Weise in der Gesellschaft präsent wurde und das Gedenken weder patriotisch noch in irgendeiner Weise stark anti-katholisch begangen wurde.

Gerade in meinem Kirchenkreis hat dieser "offene" Gedanke von Reformation dazu geführt, dass die anliegenden Kirchenkreise in ganz frischer und neuer Weise miteinander zusammengearbeitet haben.

Was man bestimmt als Anregung  für die nächsten 500 Jahre mitnehmen kann, ist, dass ein Thema bzw. Personen wie Luther auch "überstrapaziert" werden können. Luthertassen, Lutherbecher, Luthersocken, Lutherschlüsselanhänger, Lutherschlüsselanhängerbefestigungsringe usw... 

Luther war in der Reformationsdekade und speziell in Reformationsjahr omnipräsent. Das hat ihm nicht gut getan und letztlich zu dem wohligen Gefühl am Ende des Jubiläums geführt, dass es "jetzt auch gut ist".

Was war Ihr echter Gänsehautmoment?

Tatsächlich gab es viele Gänsehautmomente. Die Reformationssynode in Rheydt, zusammen mit den vier Partnerkirchenkreisen (Aachen, Jülich, Gladbach-Neuss, Krefeld-Viersen), war sicherlich ein Highlight. Wie Kirche sich präsentieren kann, wenn sie auf größeren Ebenen zusammenarbeitet, ist beeindruckend. Natürlich auch besondere Momente im Gottesdienst, wenn die ganze Kirche "Eine feste Burg" singt. Aber am meisten hat mich doch ein recht kleiner Moment berührt:

Ich stand am Reformationstag an der Tür und habe unseren Presbyter_Innen bei der Austeilung der Gesangbücher geholfen und plötzlich drehte ich mich um und griff ins Leere. Es waren keine Gesangbücher mehr da. Alles weg.

Wir und damit meine ich uns als Kirche, haben es geschafft, abseits von Weihnachten, die Kirche voll zu bekommen. Das Reformationsjubiläum hatte eine Relevanz für die Menschen, das hat mir Hoffnung gegeben.

Das beste Zitat?

"Entschuldigung, das ist kein Aschenbecher."

Zu einem Gemeindemitglied, das meinte seine Zigarette in einem Blumenkübel ausdrücken zu können.

Bei dem "Blumenkübel" handelte es sich jedoch um das völlig zu unrecht ausgewählte Kunstwerk des Künstlers Christian Odzuck, ein Blumenkübel ohne Pflanze, im Rahmen der Ausstellung "reFORMation - transFORMation".

Lessons learned: Was lässt sich mitnehmen in die Zukunft?

Für das nächste Reformationsjubiläum: Mehr Gelassenheit und weniger Überpräsenz.

Allgemein: Die Kirche hat Möglichkeiten sich in der Gesellschaft als Sprecherin zu positionieren und wahrgenommen zu werden. Ich bin der tiefen Überzeugung, dass das, was wir sagen, relevant für unsere Gesellschaft ist. Wenn wir unsere Themen ähnlich selbstbewusst, auch in den neuen Medien, einbringen, stärker zusammenarbeiten, dann wird unsere Arbeit nicht nur lebendiger und kreativer, sondern dann kann Kirche wieder als eine feste und wichtige Größe in unserer Gesellschaft ankommen. Ganz ohne bedruckte Tassen und Socken. 

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neu, Foto privat / 30.11.2017



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