„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Dieser Anfangssatz aus einem der Psalmgedichte von Hanns Dieter Hüsch (1925 – 2005) ist das Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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Dorothee Sölle Dorothee Sölle / Foto: privat, Fulbert Steffensky

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Dorothee Sölle

1929 - 2003
Eine Reformatorin des 20. Jahrhunderts

Sie war im wörtlichen Sinne eine Protestantin: Sölle protestierte gegen die ungebrochene Fortführung der Tradition in der evangelischen Kirche der Nachkriegszeit. Sie suchte nach einer „Theologie nach Auschwitz“.

Gemeinsam mit Fulbert Steffenski, Heinrich Böll u. a. begründete sie eine neue ökumenische Praxis. Sie entwickelte in Köln das Politische Nachtgebet. Jeder Gottesdienst mündete in eine politische Aktion. Sölle und ihr Team schafften mit dem politischen Nachtgebet ein Format, das weiter lebt auf Kirchentagen, in Basisgruppen und Citykirchen.

Als politische Aktivistin der Friedensbewegung gegen die Stationierung der Pershing II Raketen mobilisierte sie viele Menschen und geriet in Konflikt mit dem Gesetz. Zunächst Lehrerin für Deutsch und Religion, promovierte und habilitierte Sölle sich, wurde aber erst durch ihre Professur am Union Theological Seminary in New York, (1975‐1987) international bekannt. Dort wandte sie sich verstärkt der lateinamerikanischen Befreiungstheologie und der feministischen Theologie zu.

In den 90er Jahren trat Sölle vielfach auf Tagungen als Rednerin auf. Sie veröffentlichte zahlreiche Schriften, darunter viele poetische Texte und Gedichte. Dorothee Sölle ist eine Gottespoetin. Neben der befreiungstheologischen Diskussion begeisterte Sölle sich für die Tradition der Mystik, z.B. in ihren Werken: Leiden (1973) und Mystik und Widerstand (1993) Ihr Interesse ist es, „die Mystik zu demokratisieren“.

Dorothee Sölle gehört zu den wenigen Akademikerinnen, die es geschafft haben, Familie und Beruf zu vereinbaren und die einen hohen Grad an Bekanntheit erreichte. Bis zuletzt war sie eine streitbare Frau, eine Aktivistin, eine kluge und nachdenkliche Theologin, eine Reformatorin. Sie starb plötzlich auf einer Vortragsreise in Göppingen am 24.04.2003, mitten im Leben.

„Sie erlaubte sich, die jeweils andere zu sein - den Frommen die Politische, den Politischen die Fromme, den Bischöfen die Kirchenstörerin und den Entkirchlichten die Kirchenliebende. Das hat viele irritiert.“, blickt ihr Ehemann Fulbert Steffensky zurück. Ihre Texte berühren und begeistern, erschließen Theologie für kritische Geister: „Meine Tradition hat uns wirklich mehr versprochen! Ein Leben vor dem Tod, gerechtes Handeln und die Verbundenheit mit allem, was lebt und Gott nicht oben und nicht später, sondern jetzt und hier, bei uns, in uns.“

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Renate Schatz / 08.01.2017



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