„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Dieser Anfangssatz aus einem der Psalmgedichte von Hanns Dieter Hüsch (1925 – 2005) ist das Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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Elisabeth von Hessen (von Rochlitz) Elisabeth von Hessen (von Rochlitz) / Bild von Erik Cornelius / Nationalmuseum Stockholm

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Elisabeth von Hessen (von Rochlitz)

1502 - 1557
Geheimagentin für den Schmalkaldischen Bund

Elisabeth ist zwischen 1537 und 1547 eine Protagonistin der Reformationsbewegung. Sie ist als einzige Frau 1538 Mitglied im protestantischen Schutzbündnis „Schmalkaldischer Bund“. Sie wirkt diplomatisch und nachrichtendienstlich für dieses politische Bündnis. Als diese Spionage-Tätigkeit entdeckt wird, verliert sie alles, wofür sie zuvor jahrelang gekämpft hat. Ihre ca. 2000 Briefe bieten ein einmaliges Zeugnis der Zeit.

1502 wird Elisabeth als Tochter des hessischen Landgrafen in Marburg geboren. Ihre Ehe mit Johann dem Jüngeren birgt Sprengstoff: Während sich Elisabeths Bruder Philipp von Hessen und das ernestinische Sachsen mit Kurfürst Friedrich dem Weisen in Wittenberg auf die Seite Luthers schlagen, wird das albertinische Sachsen mit Elisabeths Schwiegervater Georg dem Bärtigen in Dresden ab 1519 zunehmend zum entscheidenden Gegner der Reformation. Elisabeth entwickelt immer stärkere Sympathien für die Reformation, was den Konflikt am Dresdner Hof, wo sie mit Mann und Schwiegereltern lebt, verschärft.

1533 eskaliert der Streit. Elisabeth weigert sich, Beichte und Abendmahl im katholischen Ritus auszuüben. Überraschend stirbt Herzog Johann im Jahr 1537. Elisabeth ist mit nicht einmal 35 Jahren Witwe, aber den ihr zustehenden Witwensitz Schloss Rochlitz (30 km südlich von Leipzig) mit Umland will ihr Schwiegervater ihr nicht überlassen.

Doch Elisabeth setzt ihre Rechte durch und übernimmt im März 1537 ihr Rochlitzer Wittum und führt in ihrem Herrschaftsbereich umgehend die Reformation ein. 1538 tritt sie dem Schmalkaldischen Bund bei. Sie dient ihm, indem sie inmitten eines katholischen Umlandes über Gespräche und feindliche Truppenbewegungen berichtet. Für ihre gefährliche Korrespondenz entwickelt sie eine eigene Geheimschrift.

Als die Sache bekannt wird, verliert sie wegen Hochverrats ihren Herrschaftsbereich und flieht in ihre Geburtsstadt Marburg. Dort findet sich auch ihr Grab.

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Harald Steffes / 08.01.2017



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