„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Dieser Anfangssatz aus einem der Psalmgedichte von Hanns Dieter Hüsch (1925 – 2005) ist das Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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Ilse Härter Ilse Härter / Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland

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Ilse Härter

1912 - 2012
Pionierin im Pfarramt

Ilse Härter bezeichnete sich selbst als nicht fromm. Sie mochte keine unverbindlichen frommen Sprüche. Ihr Wissensdurst ließ Ilse Härter 1931 das Studium der Theologie in Göttingen ergreifen.

Nach der Machtergreifung Hitlers stand Ilse Härter vor der Frage, ob sie das Studium noch fortsetzen sollte, da sie mit der deutsch-christlichen Kirche nichts zu tun haben wollte.

„So viel hatte ich in den ersten drei Semestern gelernt, dass es hier um ‚eine andere Bibel und einen anderen Gott’ ging. Ich war mir auch klar darüber, dass ich mich nicht in die Rolle zwingen lassen würde, die die Nationalsozialisten den Frauen diktierten.“

Auf den Rat eines Kommilitonen wechselte sie nach Königsberg. „Damit fiel meine Entscheidung, bei der Theologie zu bleiben. In den Kollegs der Professoren Schniewind und Iwand ging mir auf, wie sehr die Bibel in den gegenwärtigen Auseinandersetzungen Richtschnur sein konnte.“

Sie schloss sich der Bekennenden Kirche an, doch blieb auch da kritisch: „Bei meiner Einsegnung werde ich nicht anwesend sein!“, war ihre Antwort, als sie statt der Ordination eine für Vikarinnen vorgesehene Einsegnung erhalten sollte. Mehrere Jahre „wilderte“ sie ohne Einsegnung/Ordination in verschiedenen Gemeinden der Bekennenden Kirche, übernahm volle Pfarrämter bis sie zusammen mit Hannelotte Reiffen am 12. Januar 1943 durch Präses Kurt Scharf ordiniert wurde. Es waren die ersten und für lange Zeit die einzigen vollgültigen Ordinationen von Frauen in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Ilse Härter bis zu ihrer Pensionierung 1972 als Schul- und Berufsschulpfarrerin in Leverkusen und Elberfeld. Sie setzte sich für die Versöhnungsarbeit, für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ein und wandte sich der Ökumene und der feministischen Theologie zu. In all diesen Bewegungen verlor sie nie den Blick dafür, die politische Dimension von Glauben und Theologie deutlich zu machen.

Der Mut und die Geradlinigkeit Ilse Härters wurden legendär. Im Audio, das Sie hier hören können, werden Anekdoten und Zitate von Ilse Härter aus verschiedenen Zeiten zu einem fiktiven Gespräch mit Präses Kurt Scharf, der sie 1943 ordinierte, zusammengefasst.

Eigentlich gehören die Ereignisse nicht zusammen: der Streit um die Einsegnung fand im Rheinland, in Wuppertal mit Pfarrer Hesse statt. Bei der Talarfrage war 1942 in Brandenburg Dibelius derjenige, der auf Ordination ohne Talar bestand. Kurt Scharf hat sich über das alles hinweggesetzt und Ilse Härter und Hannelotte Reiffen trotzdem in Sachsenhausen ordiniert.

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Heike Köhler / 08.01.2017



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