„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Dieser Anfangssatz aus einem der Psalmgedichte von Hanns Dieter Hüsch (1925 – 2005) ist das Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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Katharina Charlotte von der Pfalz Katharina Charlotte von der Pfalz / Gemälde von Johannes Spilberg, Stadtmuseum Düsseldorf

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Katharina Charlotte von Pfalz-Zweibrücken

1615 - 1651

Katharina Charlotte von Pfalz-Zweibrücken wurde am 11. Januar 1615 in der Residenzstadt Zweibrücken als Tochter des Herzogs Johann II. (1584-1635), Pfalzgraf von Zweibrücken und seiner zweiten Ehefrau Luise Juliane (1594-1640), der Tochter des Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz, geboren. Sie erhielt eine gediegene Ausbildung und heiratete am 11. November 1631 in Zweibrücken Herzog Wolfgang Wilhelm (1578-1653), Pfalzgraf von Neuburg, mit dem sie seit dem 11. Januar des Jahres verlobt war. Für Wolfgang Wilhelm war es die zweite Ehe; seine erste Frau Magdalena von Bayern war am 25. September 1628 in Neuburg an der Donau verstorben. Für diese zweite Ehe benötigte er Dispens, denn seine Frau war mit ihm doppelt verwandt: Ihrer beider Großväter waren Brüder, deren Frauen, also ihre jeweiligen Großmütter, Schwestern.

Wolfgang Wilhelm war im Interesse seiner ersten Ehe mit Magdalena von Bayern (und wohl auch aus persönlicher Neigung) am 19. Juli 1613 geheim in München und dann am 25. Mai 1614 öffentlich in der Stiftskirche St. Lambertus in Düsseldorf gegen den Willen seines streng lutherischen Vaters Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg (1547-1614) zum Katholizismus konvertiert. Und so war für die Dispens Papst Urban VIII. Barberini zuständig, der sie jedoch verweigerte, weil Katharina Charlotte ihrem calvinistischen Glauben treu blieb. Es gelang dem Düsseldorfer Hof, den Titularerzbischof von Utrecht, Philipp Rovenius, mit dem Hinweis, die Herzogin werde noch konvertieren, zur Dispens zu bewegen. Es mag auch Bestechung dabei gewesen sein. Gustav Marseille schreibt, der Erzbischof habe gar nicht gewusst, um wen es sich handelte, zitiert aber zugleich, der Betrogene habe den Vorgang eine „pia fraus“, eine fromme Lüge genannt. Da stimmt etwas nicht. Die Herzogin jedenfalls beharrte in ihrem calvinistischen Glauben.

Nun waren sie ein Paar, der konvertierte Herzog und seine reformierte zweite Frau aus dem fernen Zweibrücken. Wolfgang Wilhelm war 37 Jahre älter als sie. Er scheint ihr aber wirklich verbunden gewesen zu sein, wenn die Grabinschrift von der „überaus geliebten Gemahlin“ keine Floskel ist. Das bezeugen auch dreihundert Briefe, die die Eheleute einander schrieben. Und doch setzte er ihr immer wieder zu und wollte sie zur Konversion nötigen. Keines ihrer beiden Kinder, die Katharina Charlotte geboren hatte, sollte das erste Lebensjahr vollenden: Ferdinand Philipp, geboren am 7. Mai 1633, starb am 21. September; Eleonore Franziska erblickte am 9. April 1634 das Licht der Welt und verließ sie wieder am 23. November. Im Dezember dieses kummervollen Jahres schrieb ihr der Herzog: „Wenn sich Euer Liebden nur wieder unterweisen [lassen] und zur Bekehrung schicken wollen, wäre kein Zweifel, Gott würde uns wohl Kinder bescheren, die lebend blieben.“ Doch die Herzogin antwortete gottergeben, dem alttestamentlichen Hiob gleich: „Er hat mir zwei Engelger gegeben, er hat sie auch Macht gehabt zu nehmen, dafür ich ihm dann mit Lob Dank sage, sonderlich, dass sie aus der Unruh in der ewigen Ruhe sind.“

Wieder war ein Anlass, als die Cousine der Herzogin in Siebenbürgen katholisch wurde. Der Herzog stellte seiner Gemahlin die Verwandte als Vorbild vor, aber Katharina Charlotte winkte ab: Die Cousine sei eben nicht stark im Glauben gewesen. Als der Herzog seine Gemahlin der Fürsprache der Hl. Katharina befahl, hielt die Herzogin dagegen, sie habe mit Christus einen Fürsprecher, zu dem ein direkter Weg führe.

Katharina Charlotte wurde durch ihren aufrechten Glauben neben ihrem hochverdienten Hofprediger Johann Hundius die einzige Stütze der reformierten Christen in Düsseldorf. Und als sie auf dem Sterbebett lag und der Herzog noch einmal für die allein seligmachende Kirche warb, entgegnete die Herzogin: „Das weiß Gottlob ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei, nämlich die heiligen Gläubigen und die Schäflein, die ihres Hirten Stimme hören.“

Als Katharina Charlotte am 12. März 1651 verstarb, verweigerten die Jesuiten mit Rückendeckung des Kölner Erzbischofs der Calvinistin eine Bestattung im Mausoleum der neu errichteten katholischen Hofkirche St. Andreas. Sie fand dann aber standesgemäß am 4. April in der Stiftskirche St. Lambertus in der Gruft des herzoglichen Hauses ihre letzte Ruhe. Johannes Hundius, ihr Weggefährte, hielt die Leichenpredigt, die er wegen des Spottes eines Mönches durch die reformierte Pfarrerschaft von Wesel und Duisburg auf Rechtgläubigkeit überprüfen ließ.

Herzogin Katharina Charlotte hatte durch Testament verfügt, dass eine jährliche Gabe an die Armen zu gewähren sei, und zwar in ihrer unvergessenen Heimat, in Zweibrücken, Lichtenberg, Neukastel und in Meisenheim. Das Konsistorium schrieb, sie sei im Glauben so überzeugend gewesen, „dass viel tausend fromme gutherzige Leut sich über dero Eifer und beharrliche Standhaftigkeit bis an dero Ende zum Höchsten gefreuet und dieses Exempel nach dero tödlichem Hinritt allenthalben rühmen müssen und demselbigen nachzufolgen sich angelegen sein lassen werden.“

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Joachim Conrad / 08.01.2017



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