„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Dieser Anfangssatz aus einem der Psalmgedichte von Hanns Dieter Hüsch (1925 – 2005) ist das Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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Tausende Besucherinnen und Besucher kommen zum Katschhof, um den ökumenischen Kirchentag zu feiern.Tausende Besucherinnen und Besucher kommen zum Katschhof, um den ökumenischen Kirchentag zu feiern.

Ökumenischer Kirchentag Aachen

Fröhlicher Kirchentag auf dem Katschhof

Bühnenprogramm und 50 Stände auf dem ökumenischen Fest zum Reformationsjubiläum in Aachen zogen viele Gläubige, Passantinnen und Passanten an.  Am Sonntag folgte ein ökumenischer Stationen-Gottesdienst in Dom, Annakirche und Kirche Hagios Dimitrios.

Das Bühnenprogramm war abwechslumgsreich. Das Bühnenprogramm war abwechslumgsreich.

Rettungshundestaffel und Second-Hand-Kleiderlädchen, Kindertagesstätte, Telefonseelsorge oder Integrative Landwirtschaft – das alles und noch viel mehr kann Kirche sein. Zu sehen war die bunte Vielfalt kirchlicher Einrichtungen und Projekte am Sonntag auf dem Aachener Katschhof, wo tausende Gläubige und Passante und Passantinnen bei schönstem Sommerwetter ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm und 50 Stände mit vielen Mitmach-Aktionen besuchten.

Auf Einladung der evangelischen Kirche feierten die Christinnen und Christen aus Aachen und der Region den Kirchentag ökumenisch, so dass neben evangelischen und katholischen Einrichtungen unter anderem auch Altkatholiken und freie evangelische Gemeinden vertreten waren.

Supertintendent Bruckhoff schlug als erster eine These an. Supertintendent Bruckhoff schlug als erster eine These an.

Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Aachen, Pfarrer Hans-Peter Bruckhoff, begrüßte zu Beginn die Gäste und schlug als erster eine These an die für diesen Tag gezimmerte Holztür, die sich am Stand der Evangelischen Kirchengemeinde Aachen befand. „Grenzen überwinden zwischen den Konfessionen, in unserer Gesellschaft, im Denken. All diese Grenzen überwinden durch Verständnis und Liebe. Wir sind alle Gottes Kinder“, hatte der Superintendent dort notiert.

Der Ökumenische Kirchentag stand unter dem Motto „Gemeinsam weiter gehen“. Ziel des Tages sei es, so sagte Bruckhoff, zu zeigen, dass es erstens nur gemeinsam weitergehe, also nur in ökumenischer Verbundenheit aller Christinnen und Christen, und zweitens, dass die Kirche eben weitergehen, also nicht beim Erreichten stehenbleiben dürfe.

Die meisten Stände des Kirchentages waren bewusst so gestaltet, dass es für die Besucherinnen und Besucher und vor allem für Kinder viel zu tun und zu erleben gab. Ob Stockbrotbacken beim Zentrum für Soziale Arbeit in Burtscheid, oder gleich nebenan das Entchen-Angeln der Ev. Studierendengemeinde, der Gesundheitscheck des Malteser Hilfsdienstes, die kalorienarmen (Stoff-)Glückskekse des Trauercafés mit Ermutigungssprüchen, ein Selfie mit dem Papp-Luther oder die Luther-Schreibstube des Couven-Gymnasiums: langweilig konnte es hier niemandem werden.

Toll, weil die Ökumene so gut klappt

Selfie mit dem Papp-Luther. Selfie mit dem Papp-Luther.

Die Besucherinnen und Besucher äußerten sich so auch durchweg sehr positiv über den Tag. „Ich finde das Fest richtig toll, vor allem weil die Ökumene so gut klappt“, sagte zum Beispiel Besucherin Anke Crome aus Hildesheim, sich beim Auftritt des Bachvereins mit den „schönsten Bachchorälen zum Mitsingen“ vor der Bühne eingefunden hatte. „Das ist etwas Besonderes, das wir uns vor vielen Jahren noch nicht hätten träumen lassen.“

Eine Mutter mit mehreren Kindern erzählte, sie habe mit ihrer Familie fast den ganzen Tag auf dem Katschhof verbracht: „Wir sind schon für Manila Fahrrad gefahren, dann haben wir gekegelt, wir haben ein lustiges Foto gemacht, und die Zirkusaufführung angeschaut, und jetzt hüpfen die Kinder im Hüpfburg-Krankenwagen der Johanniter herum. Das Fest ist wirklich sehr vielseitig – einfach schön!“ Und auch die Aussteller an den Ständen waren mit der Resonanz zufrieden. „Die Reaktion der Leute war super – man kommt sofort in tiefschürfende Gespräche“, sagte zum Beispiel Octavia Tritthart vom Gemeindebereich Aachen-Nord. „Ich habe mich unter anderem mit einer katholischen Nonne und einer jungen Frau mit vielen Gesichtspiercings unterhalten, beide waren sehr offen und fanden das Fest toll.“

Über die gelassene, heitere Stimmung freuten sich auch Hauptorganisator Pfarrer Armin Drack und Pfarrer Jens-Peter Bentzin, der Beauftragte des Kirchenkreises Aachen für das Reformationsjubiläum. „Wir sind sehr zufrieden, dass die Veranstaltung so gut besucht ist – ich schätze mal, über den Tag waren bis zu 7.000 Menschen hier“, sagte Pfarrer Drack. „Morgens waren es mehr Kircheninterne, später auch viele Passanten. Alle Angebote sind super genutzt worden, besser hätte es kaum laufen können.“

Zeichenhandlung zum Taufgedächtnis. Zeichenhandlung zum Taufgedächtnis.

An den erfolgreichen Kirchentag am Samstag schloss sich dann am Sonntag noch ein Ökumenischer Stationen-Gottesdienst, ebenfalls in der Aachener Innenstadt, an. Gemeinsam mit Superintendent Hans-Peter Bruckhoff, dem Bischof des Bistums Aachen, Dr. Helmut Dieser, und dem griechisch-orthdoxen Bischof Evmenios von Lefka zogen etwa 200 Gläubige in einem Ökumenischen Taufgedächtnis-Gottesdienst vom Hohen Dom zur Annakirche und zur Kirche Hagios Dimitrios.

Höhepunkt des Gottesdienstes war die Tauferinnerung, bei der alle Anwesenden einander mit Wasser ein Kreuz auf die Stirn zeichneten. Alle Sprecher betonten, dass die eine Taufe das verbindende Element zwischen den christlichen Konfessionen sei. Sowohl Bischof Dieser als auch Bischof Evmenios dankten in ihren Ansprachen der evangelischen Kirche, dass sie das Reformationsjubiläum in diesem Jahr nicht als Fest der Kirchenspaltung, sondern mit dem Akzent als Fest der ökumenischen Verbundenheit aller Christen feiere.

 

ekir.de / Caren Braun, Fotos: Stephan Klumpp (4), Caren Braun (1) / Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de / 27.06.2017



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