„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Dieser Anfangssatz aus einem der Psalmgedichte von Hanns Dieter Hüsch (1925 – 2005) ist das Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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Frauenklöster in der Reformation - Gefängnis oder Paradies?

Für Luther eine klare Sache: Gerechtfertigt ist der Mensch allein durch den Glauben an Christus. Um göttliche Gnade und Heil zu finden, braucht es nicht das gottgeweihte Leben hinter Klostermauern. Auch Luthers Blick auf das zölibatäre Leben von Frauen fällt kritisch aus.

Für ihn steht das Keuschheitsgelübde im Widerspruch zum Wort Gottes. Es sei die schöpfungsgemäße Veranlagung der Frau, Kinder zu bekommen. Und das gelte ebenfalls für Nonnen

Luthers Schriften kursieren auch in Frauenklöstern. Nonnen setzen sich mit seinen Thesen auseinander - teils mit gravierenden Folgen: Konvente lösen sich auf oder nehmen keine Novizinnen mehr an. Nonnen treten aus ihren Klostergemeinschaften aus oder fliehen. Die überwiegende Zahl der Frauenklöster lehnt allerdings die reformatorische Verkündigung ab und kämpft mit allen Mitteln um den Erhalt ihrer Lebensform und ihrer spirituellen Identität. Und dies gern auch schreibend und theologisch argumentierend. Elisabeth von Calenberg führt in ihrem Herrschaftsgebiet nicht nur die Reformation ein – sie lässt auch die Frauenklöster evangelisch werden.

Klöster sind im Mittelalter religiöse, soziale und ökonomische Zentren, die unverheirateten Frauen aus dem Adel und dem städtischen Patriziat eine gesicherte Existenz bieten. Hier können sie Teil haben am spirituellen und intellektuellen Leben ihrer Zeit. Viele Frauenklöster bilden ihre zukünftigen Nonnen fundiert aus: Sie lernen nicht nur Lesen und Schreiben, sondern häufig auch Latein und sind theologisch versiert. Und sie können geistliche Leitungsämter wie das der Äbtissin übernehmen. Jenseits der schützenden Klostermauern ist der soziale Status für ehemalige Nonnen völlig ungeklärt. Auch wenn sie aus adligen Familien stammen, können sie meist nicht darauf hoffen, dort wieder aufgenommen zu werden. Die ehemaligen Bräute Christi sind mittellos und auf Unterstützung angewiesen. Eine Lebensform, in der sie einer geistlichen Berufung folgen könnten, gibt es nicht. Auch geistliche Ämter für Frauen schuf die Reformation nicht, - den Zugang zum Theologiestudium und zum Pfarramt erkämpften sich Frauen erst im 20. Jahrhundert.

Die reformatorische Theologie wertet die Ehe auf. Sie gilt als das ideale, allerdings auch als das einzige Lebensmodell für Frauen, das ihnen sogar den Weg ins Pfarrhaus öffnet - wenn sie einen Kleriker heiraten. Schließlich hatte die Reformation mit dem Zölibat aufgeräumt. Damit entsteht die Tradition des evangelischen Pfarrhauses, das für die Gemeindeglieder Vorbild ist in Sachen Bildung, Lebensführung und Kinderreichtum.

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Claudia Eliass / 08.01.2017



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