„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Dieser Anfangssatz aus einem der Psalmgedichte von Hanns Dieter Hüsch (1925 – 2005) ist das Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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Gottesdienst im sog. Kronleuchtersaal, ein Gewölbe im Abwassersystem, in dem tatsächlich ein Kronleuchter hängt. Gottesdienst im sog. Kronleuchtersaal, ein Gewölbe im Abwassersystem, in dem tatsächlich ein Kronleuchter hängt.

Gottesdienst an ungewöhnlichem Ort

Im Untergrund

Die Evangelischen Studierendengemeinden im Rheinland haben einen Gottesdienst im Kölner Abwasserkanal gefeiert. Der Kronleuchtersaal, in dem der Gottesdienst stattfand, ist ein unterirdisches, aufwendig gemauertes Bauwerk der Kölner Kanalisation. Seit einigen Jahren ist der Saal auch für die Öffentlichkeit geöffnet.

Die Studierendengemeinden hatten zu dem Gottesdienst an ungewöhnlichem Ort eingeladen. Die Studierendengemeinden hatten zu dem Gottesdienst an ungewöhnlichem Ort eingeladen.

"Für das, was hier in dem Kanal neben ihnen vorbeifließt, spielt die Konfession keine Rolle", sagte Ralf Bröcker von den Kölner Stadtentwässerungsbetrieben zur Begrüßung der Gäste. Und so feierten die Studierenden in der Kanalisation einen der 95 Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten, zu denen die Evangelische Kirche im Rheinland anlässlich des 500. Reformationsjubiläums aufgerufen hatte.

"Gott im Untergrund - Was haben Abfall, Unrat, Kot und Gestank mit der biblischen Botschaft zu tun?" war das Thema des Kölner Gottesdienstes. Zu den Studierenden hatten sich auch der Kölner Stadtsuperintendent Rolf Domning und der Superintendent des Kirchenkreises Köln-Nord, Markus Zimmermann gesellt.

Erster Gottesdienst an diesem Ort

Der Pfarrer der Evangelischen Studierendengemeinde Bonn, Michael Pues, leitete den Gottesdienst ein: "Dies ist das erste Mal, dass hier ein Gottesdienst stattfindet", betonte er. Anstelle einer Predigt gab es meditative Betrachtungen geben.

Pues erinnerte vor einer Steintafel mit den Namen der Verantwortlichen für den Bau am Ende des 19. Jahrhunderts an diejenigen, "die tagtäglich mit ihren Händen und Energien für andere in den Untergrund gegangen sind, um dies hier für andere zu bauen". Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass viele andere täglich arbeiteten, damit alle zusammen in der Stadt leben könnten.

Abschluss dann wieder über der Erde. Abschluss dann wieder über der Erde.

Experiment an sehr besonderem Ort

Der Gottesdienst war ein "Experiment" - schon wegen des "sehr eigenen, besonderen Raums", sagt die Kölner ESG-Pfarrerin Christiane Neufang im Rückblick auf den Gottesdienst. Der Saal habe einen sakralen oder auch Kreuzgangcharakter und eine grandiose Akustik. Der Kronleuchter, "im Grunde deplatziert" und in der Kanalisation natürlich absurd, beleuchte, was sonst nie an die Oberfläche dringe.

War der Gestank auszuhalten? "Es ging. Es müffelte. Man gewöhnte sich relativ schnell daran", sagt die Pfarrerin, die weiß, dass es nicht jeder aushielt.

Wahrer Mensch

Und was nun haben Kot und Gestank mit der biblischen Botschaft zu tun? "Jesus Christus selbst war sich nie zu schade, auch Orte tiefster menschlicher Erniedrigung aufzusuchen", erläutert Neufang einen der verschiedenen Aspekte, sie berichtet auch, dass das Buch "Dunkle Materie" von Florian Werner über Exkremente die Gottesdienstvorbereitung begleitet hatte.

Die Theologin erinnert weiter an Jesus als wahrer Mensch und wahrer Gott - und der Mensch Jesus "musste auch mal". Die Notdurft zu verrichten gehört zum menschlichen Leben. Und Gott ist bei seinen Menschen, oder, wie Pfarrerin Neufang sagt: "Gott ist auch im Untergrund zu finden."

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epd, neu, Fotos kirche-koeln.de / 30.4.2017



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