Ute Meyer (l.) und Birgit Annighöfer-Lütke singen mit bei den beiden Aufführungen des 'Luther'-Pop-Oratoriums am Samstag in Düsseldorf. Ute Meyer (l.) und Birgit Annighöfer-Lütke singen mit bei den beiden Aufführungen des "Luther"-Pop-Oratoriums am Samstag in Düsseldorf.

Vor den Aufführungen des "Luther"-Pop-Oratoriums am 4. Februar in Düsseldorf

"Etwas Unvergessliches"

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Vergangenes Wochenende war die Hauptprobe. Jetzt fiebern die Mitwirkenden dem großen Auftritt am kommenden Samstag in Düsseldorf beim Pop-Oratorium "Luther" entgegen. „Ich bin völlig glücklich und fröhlich und begeistert“, sagt Birgit Annighöfer-Lütke, die zusammen mit Ute Meyer zum 3.000-köpfigen Chor gehört. 

„Leute, das ist etwas so Unvergessliches. Macht mit!“ Mit diesen Worten hatte Birgit Annighöfer-Lütke Mitsängerinnen und Mitsänger gesucht. Fündig wurde sie in ihrem Gemeindechor „Taktvolk“ in Haan. Die fröhliche Frau selbst wusste da schon, wovon sie redete, denn sie hat schon bei der Uraufführung des Stücks in Dortmund mitgesungen. Für die 53-Jährige war das ein unvergesslich schönes Erlebnis „Ich habe mich so beschenkt gefühlt von diesem Projekt.“

Birgit Annighöfer-Lütkes Begeisterung war offensichtlich ansteckend. 110 Singwillige haben sich schließlich im Chor „Voices of ME“ zusammengefunden, einem Projekt-Chor, der sich nur für die Aufführungen des Luther-Pop-Oratoriums im ISS-Dome in Düsseldorf gegründet hat. Rund ein halbes Jahr haben sich die Sängerinnen und Sänger auf den großen Auftritt am kommenden Samstag vorbereitet. Etwa alle vier Wochen haben sie sich zu einer großen Probe getroffen. Dazwischen konnte sich jeder mit Übungs-CDs zu Hause fit machen.

Denn so funktioniert das Musik-Projekt, das die Stiftung Creative Kirche initiiert hat: Das von Dieter Falk und Michael Kunze geschriebene Pop-Oratorium wird in diesem Jahr des 500. Reformationsjubiläums an mehr als zehn Orten in Deutschland aufgeführt. Symphonieorchester, Rockband und Musicalstars sind dabei immer die gleichen. Der bis zu 3.000 Menschen starke Chor aber setzt sich jeweils aus Sängerinnen und Sängern der Region zusammen, die das Stück vorher einstudiert haben.

Anfangszweifel an Großprojekt überwunden

„Dieses Gemeinschaft Fördernde ist es, was so viel Freude macht“, sagt Birgit Annighöfer-Lütke. Ihre Chor-Freundin und Mitarbeiterin Ute Meyer musste dennoch zunächst überlegen, ob sie mitmacht: „Ich war am Anfang im Zweifel, weil ich dachte: ,Oh, diese Großprojekte‘.“ Aber die Lieder haben die ebenfalls 53-Jährige dann überzeugt. „Dann habe ich mich doch angemeldet und jetzt bin ich sehr froh. Das ist wirklich toll“, sagt sie nach der Erfahrung der Hauptprobe am vergangenen Sonntag.

Mit ihrer Begeisterung für das Projekt konnte Birgit Annighöfer-Lütke noch jemanden mitreißen: ihre Mutter. „Ich hatte mir so gewünscht, dass wir beide noch mal ein Gesangsprojekt gemeinsam machen, weil meine Mama mich als Kind zum Singen gebracht hat. Sie hat immer mit mir gesungen“, erzählt die energiegeladene Frau. Auch mit ihr hat sie immer wieder geprobt und nun traut sich die Mutter auch die Aufführung zu. Die Tochter freuts: „Das ist so wunderbar!"

Einige Mitglieder der „Voices of ME“ haben auch dem Rathauschor, der sich ebenfalls extra für das Oratoriums-Projekt zusammen gefunden hat, Begleithilfe gegeben – organisiert natürlich von Birgit Annighöfer-Lütke. Schließlich arbeitet die emsige Sängerin im nostalgischen Süßwarenladen ihres Mannes in direkter Nachbarschaft zum Düsseldorfer Rathaus.

"Regiert und intrigiert"

Bei diesen Proben - auch mit Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel - sei nochmal klar geworden: „So etwas schweißt zusammen. Man begegnet sich noch mal auf einer anderen Ebene als nur am Schreibtisch“, erzählt Birgit Annighöfer-Lütke. „Das Witzigste war, als wir bei der ersten Probe im Rathaus an die Stelle in diesem Oratorium kamen, bei der es heißt: ‘Hier wird regiert und intrigiert‘. Das war sehr, sehr komisch!“

Reine Vorfreude, keinerlei Bedenken: So geht es Ute Meyer jetzt so kurz vor dem Auftritt. Birgit Annighöfer-Lütke gehen doch ein paar Dinge durch den Kopf: „Die erste Sorge betrifft meine Füße, weil wir ja zwei Aufführungen hintereinander haben. Die zweite, dass man vielleicht aus Versehen einmal in die Pause rein singt..!" Und die dritte Sorge gilt ihrer Mutter, die über achtzig ist. "Zwei große Aufführungen in ihrem Alter sind ja doch eine große Herausforderung - obwohl sie voller Freude ist. Ansonsten bin ich völlig glücklich und fröhlich und begeistert.“

Viele Gänsehaut-Momente

Zumal sie ja durch die Premiere in Dortmund schon gut weiß, was auf sie zukommt: „Wenn die beiden Dirigenten nach dem Intro diesen 3.000-Mann-Chor mit einer einzigen Handbewegung bitten, aufzustehen – da geht ein Raunen durch die Halle und das ist dann eine Energie! Das weiß ich noch gut." Sie spreizt die Finger mehrere Zentimeter auf ihrem Arm und sagt fröhlich: "Und das gibt soo eine Gänsehaut.“

„Es gibt viele Gänsehaut-Momente im Stück, finde ich“, pflichtet Ute Meyer bei. „Mein Highlight ist das Lied ,Wir sind Gottes Kinder‘.“ Birgit Annighöfer-Lütke stimmt zu: „Ja, da ist für jeden etwas dabei, rockige Stücke, Balladen, Jazz... Es ist modern und es ist trotzdem ganz, ganz tief.“

Das Pop-Oratorium "Luther" wird am Samstag, 4. Februar, im ISS Dome in Düsseldorf aufgeführt. Die erste Vorstellung beginnt um 14 Uhr, die zweite um 19 Uhr. 

 

Alexandra Stoffel, Foto Sergej Lepke / 2.2.2017