„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Dieser Anfangssatz aus einem der Psalmgedichte von Hanns Dieter Hüsch (1925 – 2005) ist das Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland.

mehr

Service

Marie Dentière Marie Dentière (Bild: Roger Pfund)

reformatorinnen.de

Marie Dentiere

1490/5 - 1561
Predigerin von Genf

Marie Dentière trat von Beginn der Reformation an nicht nur für die richtige Form des Glaubens ein, sondern auch für das Recht von Frauen, zu predigen und Schriften zu veröffentlichen. Da dies nicht vom Rat der Stadt Genf nicht erlaubt wurde, veröffentlichte sie verschiedene Schriften, darunter eine vielgelesene Geschichte der Reformation in Genf und auch eine „Verteidigungsschrift für die Frauen“ 1539 unter Pseudonym. Als bekannt wurde, dass eine Frau diese Bestseller geschrieben hatte, kam der Verleger in Haft und die Bücher wurden verboten. Wie bei vielen revolutionären Veränderungen, schlug auch in Genf die Hoffnung auf große geistige Freiheit um in Repressionen und totalitäres Verhalten der neuen Machthaber.

Für ihre Meinung, dass der Auftrag zur Verkündigung des Evangeliums an alle ergangen sei - Männer und Frauen - führte sie vielfältige biblische Belege an, wie z. die rhetorische Frage: „Gab es eine größere Predigerin als die Samariterin, die sich nicht scheute, Jesum und sein Wort zu predigen, sich offen vor aller Welt zu ihm zu bekennen, sobald sie ihn hatte sagen hören, dass wir Gott in Geist und Wort verehren sollen?“

Zunächst lebte Marie Dentière Priorin des Augustinerinnenklosters von Près in Tournai. Gelehrt und belesen wurde sie eine Anhängerin Martin Luthers und zog 1524 nach Strassburg, wo sie 1528 Simon Robert heiratete. Zusammen zogen sie in die Schweiz, wo Robert zunächst als Pfarrer in Bex und dann in Aigle VD als reformierter Pfarrer wirkte. Nach seinem Tod 1533 heiratete die Witwe und Mutter zweier Kinder Antoine Froment und lebte ab 1535 mit ihm in Genf, wo sie die Etablierung des reformierten Glaubens unterstützte, bis sie in Konflikt mit dem Rat der Stadt und auch mit dem sehr einflussreichen Johannes Calvin geriet.

In einer Schrift, die in die Form eines Briefes an die Königin von Navarra gekleidet ist, setzt sie sich für die Reformation und auch eine höhere Mädchenbildung ein, die auch den Erwerb der hebräischen Sprache umfassen soll.

Der Name Marie Dentières wurde anlässlich des Reformationsfestes am 3. November 2002 zusammen mit den Namen von Petrus Waldes, John Wyclif und Jan Hus den bereits bestehenden Inschriften des Genfer Reformationsdenkmals hinzugefügt. Sie ist die einzige Frau, der diese Ehre zuteil wurde.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

Irene Diller / 08.01.2017



© 2017, 2017.ekir.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.