Unterzeichnen die gemeinsame Erklärung: der rheinische Präses Manfred Rekowski, der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der westfälische Vizepräsident Albert Henz. Foto: Nicole Cronauge Unterzeichnen die gemeinsame Erklärung: der rheinische Präses Manfred Rekowski, der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der westfälische Vizepräsident Albert Henz. Foto: Nicole Cronauge

Gemeinsame Erklärung

Ökumenisch Kirche sein

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Mehr Zusammenarbeit, intensiverer Austausch und gemeinsames Auftreten: Zum Reformationsjubiläum setzen rheinische und westfälische Kirchen und Bistum Essen auf mehr Gemeinsamkeit und unterzeichnen eine gemeinsame Erklärung. 

Künftig wollen die rheinische und die westfälische Landeskirche mit dem Bistum Essen mehr Aufgaben gemeinsam angehen. „Wir wollen die Herausforderungen zusammen bearbeiten, die sich unseren Kirchen in gleicher Weise stellen“, heißt es in der Erklärung „Ökumenisch Kirche sein“, die am Sonntag in Essen vom rheinischen Präses Manfred Rekowski, dem westfälischen Vizepräsidenten Albert Henz und dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck unterzeichnet wurde. In der Erklärung verpflichten sich die Kirchen zu einem stärkeren Austausch, zu gegenseitigen Einladungen und zu einem gemeinsamen Auftreten.

Konkret sieht die Vereinbarung einen regelmäßigen Austausch über die Reformprozesse in den Kirchen vor. Zudem soll in den Bereichen sozialer Verantwortung wie der Arbeit mit Flüchtlingen und im Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit noch enger zusammengearbeitet werden. Auch beim Austausch mit dem Judentum sowie dem Dialog mit Muslimen soll es mehr Gemeinsamkeiten geben.

Auf der Schwelle zu einer neuen Gemeinsamkeit des Glaubens

Die Kirchengemeinden werden in der Erklärung dazu aufgerufen, die ökumenische Zusammenarbeit „als Entlastung und gegenseitige Ermutigung wahrzunehmen“. So könne eine gemeinsame Nutzung von Kirchen und Gemeindehäusern vereinbart werden und pastorale Schwerpunkt vor Ort miteinander abgestimmt werden. Das Bistum Münster werde zu Pfingsten eine ähnliche Vereinbarung mit den beiden Landeskirchen unterzeichnen, hieß es.

Hintergrund ist das 500. Reformationsjubiläum in diesem Jahr. Der Thesenanschlag Martin Luthers am 31. Oktober 1517 führte zur Gründung der evangelischen Kirche. „500 Jahre nach der Trennung unserer Kirchen durch die Reformation stehen wir an der Schwelle zu einer neuen Gemeinsamkeit im Glauben“, heißt es in dem Papier. Die Einladung der evangelischen Landeskirchen in NRW zum ökumenischen Reformationsgedenken als „Christusfest“ sei Anlass, sich zu einer weiteren Vertiefung der ökumenischen Zusammenarbeit zwischen den Kirchen zu verpflichten.

Ökumenischer Perspektivwechsel auf allen Ebenen

Der rheinische Präses Manfred Rekowski hatte sich zuvor in seiner Predigt in dem ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung der Gebetswoche um die Einheit der Christen im Essener Dom zuversichtlich geäußert, dass heute schon viel Gemeinsames möglich sei, auch ohne in allen wichtigen theologischen und kirchenrechtlichen Fragen Übereinstimmung erzielt zu haben: „Gemeindeleben unter einem Dach riskieren, gemeinsame Gottesdienste so oft wie möglich feiern, gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit haben, verstärkte Kooperation von Diakonie und Caritas und Partnerschaften auf der Ebene der Gemeinden ebenso wie auf Bistums- und Landeskirchenebene wagen.“

Der Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, Albert Henz, erklärte nach der Unterzeichnung, es sei mehr möglich, als in der Regel bereits getan werde. „Dankbar für die gewachsene Gemeinsamkeit wagen wir einen ökumenischen Perspektivwechsel auf allen Ebenen.“

 

ekir.de / epd / red / 23.1.2017