„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Dieser Anfangssatz aus einem der Psalmgedichte von Hanns Dieter Hüsch (1925 – 2005) ist das Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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Rund vierzig Jugendliche feierten den Gottesdienst im Parkhaus mit. Rund vierzig Jugendliche feierten den Gottesdienst im Parkhaus mit.

Gottesdienst an ungewöhnlichem Ort

Ticket zum Himmel

Gottesdienst im Parkhaus? Tatsächlich haben sich rund vierzig 40 Jugendliche aus Krofdorf und Wißmar in einem Gießener Innenstadt-Parkhaus versammelt, um dort einen von „95 Gottesdiensten an ungewöhnlichen Orten“ zu feiern. Zu diesen Gottesdiensten in der Zeit vom 31. Oktober 2016 bis zum 31. Oktober 2017 anlässlich des Reformationsjubiläums hat die Evangelische Kirche im Rheinland aufgerufen.

Da machen wir mit“, sagte Jugendmitarbeiterin Amrei Magdanz aus Krofdorf in ihrer Begrüßung. „"Wir wollen die Gottesdienstfeier in den Alltag holen und Glauben in alltäglichen Locations sichtbar werden lassen.“" Denn auch Reformator Martin Luther habe mit seiner deutschen Bibelübersetzung dafür gesorgt, dass die Bibel in den Alltag kam und von allen Menschen, nicht nur von kirchlichen Amtsträgern, gelesen werden konnte. „Kommt das Auto in den Himmel?“ Diese Frage gab dem Gottesdienst den Titel.

Gegenstände kämen natürlich nicht in den Himmel, sagte Magdanz in ihrer Predigt. Doch zu Luthers Zeiten hätten Menschen sich gefragt, wie sie in den Himmel kommen und sich dabei mit der Vorstellung gequält, dass sie nach dem Tod erst einmal für ihre Sünden bezahlen müssten, beispielsweise im Fegefeuer. Durch sogenannte „Ablässe“ konnten sie sich jedoch mit Geldzahlungen von ihren Sünden frei kaufen, wie die Kirche damals lehrte. Die Ablässe galten quasi als Eintrittskarte in den Himmel.

Kostenloses Parkticket erinnert an Gottes Liebe

Anschaulich wurde dies für die Jugendlichen durch das Parkticket, das sie am Eingang des Parkhauses erhalten hatten und auf dessen Rückseite ein Hinweis zum Ablass geschrieben war. „Das Parkticket ist die Eintrittskarte, um in der Stadt unterwegs zu sein“, erklärte die Predigerin. "„Ihr habt aber dafür nichts bezahlt.“" So habe auch Martin Luther erkannt, dass Gottes Liebe und Vergebung bedingungslos seien: "„Ich muss nichts zahlen oder leisten, ich darf kommen, wie ich bin.“"

Wer daran glaube, erfahre Befreiung und Gelassenheit. Martin Luther habe das in der Bibel wiederentdeckt. So könne man das Parkticket mit Gottes Liebe und Gnade gleichsetzen und das Auto mit dem Glauben an Gott, der allein zu seiner Liebe und Gnade bringen könne.

Als Erinnerung an diesen Gottesdienst verteilten Mitarbeitende an die Jugendlichen Spielzeugautos mit der Aufschrift "„freedom Freiheit“" und einen gleichlautenden Stempelaufdruck auf das Parkticket. Und dann geschah noch dies: Die Jugendlichen probierten aus, wie viel „Glaube“ in ein Auto passt. Das Ergebnis: 29 Jugendliche passten in den Mercedes Vito-Gemeindebus.

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bkl / 6. November 2016



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