„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Dieser Anfangssatz aus einem der Psalmgedichte von Hanns Dieter Hüsch (1925 – 2005) ist das Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland.

mehr

Service

Magdalena Heymair Magdalena Heymair / Illustration von Jost Amman (1539 - 1591)

reformatorinnen.de

Magdalena Heymair

ca. 1535 - 1586
Protestantische Poetin & Pionierin der Pädagogik

Poetin, Pädagogin, Pionierin, beherzte Protestantin. Magdalena Heymair war eine redegewandte Frau, die es verstand, sich und ihren Schülerinnen auf Gott und die Welt einen Reim zu machen. „Nicht immer ganz rein, ihre Reime“, urteilt die Kritik. Aber wie sollte das Leben ganz glatt gedichtet werden können? Sie wusste, wie herausfordernd die Wirklichkeit ist, war keine reiche Dame, sondern eine, die sich für ihr Glück immer ins Zeug legen musste. Magdalena Heymair ist die erste Lehrerin, die eigenes Unterrichtsmaterial erstellte, die erste Frau, deren pädagogische Schriften vor dem 18. Jahrhundert veröffentlicht wurden.

Sie war eine Theopoetin. Frau mit ganz eigenem Wortschatz. Die ihre Muttersprache, Mittelbayrisch, zu nutzen wusste. Sie brachte Bibel-Wissen in Reimform, und schrieb Lieder, die zu kirchlichen Melodien und Gassenhauern gesungen werden konnten. Eine originelle Kirchendichterin! Tiefsinnig, dabei spielerisch. Auswendig lernen, leicht gemacht. Die Bibel selber lesen, kindgerecht. Ihre Gesänge erzählen von biblischen Frauenfiguren, betonen die Bedeutung der Jüngerinnen im Neuen Testament. Ihre Verse ersetzten in lutherischen Schulen teilweise die katholischen Legenden der Heiligen. Ihr Motto war: Die beste Art, Texte zu beherzigen, ist sie zu singen.

Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, unterrichtete sie als Hauslehrerin, vor allem in Adelsfamilien, in Straubing, Cham, Regensburg, Österreich und der Slowakei. Manchenorts war sie als Lutheranerin nicht lange willkommen, manches Mal in Gefahr. Sie ließ sich nicht einschüchtern. Ihr guter Ruf als Lehrerin und der Einfluss reicher Gönnerinnen halfen ihr. Sie unterstützten sie, indem sie zum Beispiel Druckkosten übernahmen. Immer wieder fanden sich Fürsprecher, die es gerne riskierten, ihre Werke zu veröffentlichen..

Wir haben kein Bild von ihr, kennen weder ihr genaues Geburts- noch Todesdatum. Sie bleibt eine Poetin mit eigenem Stil. Profilierte Pädagogin mit eigenen Erziehungskonzepten. Eine Pionierin. Protestantin mit eigenem Ausdruck für ihr Gottvertrauen und einer eigenen Interpretation der Bibel. Heute wäre sie vielleicht eine Bloggerin. Lyrikerin. Eine Bestseller-Autorin. Vielleicht Bildungsministerin. Oder eben Lehrerin. Dann wohl an einer Reformschule.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

Christina Brudereck / 08.01.2017



© 2017, 2017.ekir.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.