„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit

Dieser Anfangssatz aus einem der Psalmgedichte von Hanns Dieter Hüsch (1925 – 2005) ist das Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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Sibylle von Jülich Kleve Berg Sibylle von Jülich Kleve Berg / Bild von Lucas Cranach der Ältere, Klassik Stiftung Weimar

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Sibylle von Jülich Kleve Berg

1512 - 1554
Luthers Fürstin und evangelische Landesmutter

Sibylle von Jülich-Kleve-Berg war zeitlebens „regierende Fürstin“ in Kursachsen, d.h. sie stand bis zu ihrem Tod an der Seite ihres Ehemanns, Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen. Sie war Luthers Landesherrin, eine versierte Briefeschreiberin und kompetente Gesprächspartnerin in Glaubensfragen.

Am 17. Juli 1512 in Düsseldorf als älteste Tochter des Fürstenpaares Herzog Johann III. von Jülich-Kleve-Berg und Maria von Geldern geboren, wuchs sie in einem humanistisch orientierten Umfeld auf.

Als Sibylle 6 Jahre alt war, fanden erste Sondierungen bezüglich einer Heirat mit dem sächsischen Kurprinzen Johann Friedrich I. statt. Der Ehevertrag wurde 1526 aus rein politischen Erwägungen heraus geschlossen.
Doch schon beim ersten Kennenlernen in Köln 1526 zeigte sich, dass sich die beiden Ehepartner zugetan waren. Davon gibt auch der rege Briefwechsel von 1547-1552 zwischen den beiden Zeugnis. Johann Friedrich I. war als Anführer des Schmalkaldischen Bundes Gefangener Kaiser Karls V.

In Torgau lernte Sibylle von Kleve Martin Luther kennen, hörte seine Predigten und tauschte sich mit ihm aus.

Luthers Bibelübersetzungen prägten ihre Sprache und ihr religiöses Denken tiefgreifend. Sie erwarb sich darüber eine solide Kenntnis von Bibel und Theologie. Beeindruckt waren Zeitgenossen über ihre Kenntnis der Psalmen.

Als außergewöhnliche Autorin erweist sich Sibylle in den Briefen an ihren Mann, die sie in der Zeit seiner Gefangenschaft an ihn richtet. Sie sind geprägt von Sehnsucht und Klage. Sibylle litt unter der Abwesenheit ihres Mannes. Ihre Sehnsucht paarte sich dabei mit Langeweile, aber sie vermisste auch die körperliche Nähe zu ihm, so dass sie darüber krank wurde. Trost fand sie in der direkten Ansprache an Gott und in den ihr vertrauten biblischen Texten. In strittigen Fragen verstand sie es geschickt unter Verweis auf biblische Beispiele zu argumentieren.

Sibylle von Kleve füllte die Position der Frau an der Seite des herrschenden Fürsten beispielhaft aus. Sie agierte stets von ihrem Platz im Frauenzimmer aus, war Partnerin auf Augenhöhe für ihren Mann und wusste beredt und bibelfest ihre Eigenständigkeit zu verteidigen, immer nach ihrem Motto „Alles in Ehren“.

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Rose Wecker / 08.01.2017



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